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Unheimliche schöne Musik – “Sweet Apocalypse” von Lambert

Unheimliche schöne Musik – “Sweet Apocalypse” von Lambert

Seit
dem Jahr 2000 leben wir in der Postapokalypse. Eine Apokalypse, die
allerdings nie stattgefunden hat. Kein weltweiter Systemcrash, keine
Außerirdischen, kein gigantischer Meteorit, kein Erlöschen unserer
Sonne. Nicht einmal die alte Lieblingshose ist endgültig zerschlissen.
Das heißt natürlich nicht, dass die Angst vor dem Weltuntergang deshalb
verschwunden ist – ganz im Gegenteil:

Die Angst der Menschen vor
anderen Menschen und dem, was diese den lieben langen Tag so alles
anstellen, ist riesengroß. Und bei Mutter Natur weiß man natürlich auch
nie, was sie gerade im Schilde führt. Von der kosmischen Strahlung im
Hintergrund einmal ganz abgesehen. Sich als Pianist explizit den großen
Themen zu nähern ist natürlich immer etwas schwierig. Die Seele kennt
nun mal keinen Unterschied zwischen dem Angriff eines Tigers, einem
bösen Brief von der Bank oder einem blöden Blick des Nachbarn. Fühlt
sich der Mensch bedroht dann bekommt er es mit der Angst zu tun. Und
das, was den Menschen heute Angst einjagt, wird – zumindest in unseren
Längen- und Breitengraden – immer abstrakter und führt zu einer immer
diffuseren Lebensangst.

Auf „ Sweet Apocalypse“ setzt sich Lambert
auf ganz persönliche Art und Weise mit diesen Ängsten, von denen
bekanntlich viele aus der Vergangenheit weit über das Heute
hinausspuken, in 12 Kompositionen auseinander. Mal spendet er Trost, mal
streichelt er sanft die Katze namens Melancholie, mal entwickelt er aus
der Angst einen überlebensgroßen Pathos und lässt uns unerwartet über
den Dingen schweben. Auf seinem dritten Album – dem ersten, das er für
das in London ansässige Label Mercury KX aufgenommen hat – beweist der
maskierte Pianist Lambert wieder einmal eindrucksvoll, dass er die
komplette Gefühlsklaviatur des Lebens mit enormer Leichtigkeit spielen
kann. Sein Gespür für kleine, große Melodien ist dabei immer noch
außergewöhnlich.

Tourdaten:
18.05.2017 Hamburg / Resonanzraum
20.05.2017 Berlin / Silent Green
04/05.08.2017 Neukirchen / Skandalös Festival
23.12.2017 Hamburg / Elbphilharmonie

Das Video zu “Sweet Apokalypse” gibt es hier zu sehen

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